Hoffen, dass es besser wird

„Wie kann man bloß Kinder in diese Welt setzen?“

Schon in den 1980er-Jahren, als ich noch ein Teenager war, konnte man diese Frage, die vielmehr eine Feststellung war, hören. Saurer Regen, Atomkatastrophe von Tschernobyl und der Kalte Krieg mit all seinen Nebenwirkungen – das waren damals die Themen, die die Menschen davon abhielten, Kinder zu bekommen. Zu krank, zu zerstört schien diese Welt manchen Menschen, als dass man sie seinen Kindern hinterlassen wollte.

Heute haben wir Trump, Erdogan, Putin, Nordkorea und den Klimawandel. Seit den 1980er-Jahren sank (zumindest in den Industrieländern) zwar die Zahl der Kinder, aber es gab immer noch Menschen, die Kinder „in die Welt setzen“.

Seit Kurzem zähle ich als stolzer Vater einer kleinen Tochter ebenfalls dazu, und für mich stellte sich nie die Frage, ob ich meinem Kind diese Welt zumuten will. Erstens war sie schon immer unwirtlich und gefährlich, und zweitens liegt es ja auch an jedem selbst, welchen Start, welches Grundgefühl und welche Haltung zur Welt man seinem Kind vermittelt.

Ich finde es jedenfalls hochinteressant zu beobachten, wie meine Tochter gerade Tag für Tag die Welt für sich entdeckt, neue Dinge lernt und zu einer eigenen Sprache findet.

Sicher hat sie auch einen langen Weg vor sich (hoffentlich!) und der wird nicht immer einfach sein. Aber das ist das Wesen von (menschlichem) Leben. Immer wieder neue Herausforderungen, an denen wir wachsen. Aber ist das ein Grund, keine Kinder zu haben?

Ich glaube vielmehr, dass es egoistisch ist, so zu denken. Denn wer argumentiert, er möchte keine Kinder in diese Welt setzen, der möchte sich in Wahrheit vor der Frage des eigenen Kindes zu drücken, warum man es nicht ausreichend vorbereitet hat auf diese Welt.

Kinder jedenfalls gehören hierher, denn ohne sie könnten wir schon bald einpacken, und es gäbe noch nicht einmal jemanden, der das Licht ausmacht, wenn wir gehen. Sicher, mit Kindern werden auch viele negative Dinge auf dieser Welt fortbestehen, denn aus Kindern können auch böse Menschen werden.

Zuerst aber sind Kinder eine Hoffnung. Dass nicht alles sinnlos war, was wir gedacht, getan und erschaffen haben, sondern dass es weiterhin Menschen gibt, die sich an uns erinnern – und daran, was wir ihnen über das Menschsein erzählt haben. Hoffen, dass sie es besser machen.

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Veröffentlicht von

Roland

Von Beruf Schreiber, aus Leidenschaft Blogger und aus Spaß Foto-Geschichtenerzähler. Hang zu Schreibwaren, Neigung zu feinen Texten.

3 Gedanken zu „Hoffen, dass es besser wird“

  1. Hallo Roland!

    Ich persönlich habe mich in den Achtzigern auch öfter mal derart geäußert, dass ich keine Kinder in „diese Welt“ setzen wollen würde.
    Fakt ist, hätte ich generell Kinder gewollt, dann hätte mich „diese Welt“ auch nicht daran gehindert.
    Ich vermute das die meisten Menschen die das sagen auf etwas ganz anderes hinaus wollen:
    Es ist schlicht eine besondere Art, den Zustand der Welt, das was uns gerade an ihr überfordert, traurig oder wütend macht, zu beschreiben.
    Denn welcher Kontrast wäre härter? Die Gegenüberstellung einer verdorbenen Welt mit Machtmissbrauch, Kriegen, Lug und Trug, Korruption und dem neverending Tanz um das goldene Kalb………..diese Verderbtheit! Und direkt daneben die Unschuld eines Kindes! Eines Kindes das noch neu genug ist um noch halb im Paradies zu wandeln. Das noch kein Wissen über Unrecht hat, noch keine Scham, und von dem man weiss: Wenn es lächelt, dann aus dem Herzen heraus – niemals aus Höflichkeit oder im Sinne einer Maskerade.

    Ich habe keine Kinder. Weil ich aus verschiedenen Gründen keine wollte.
    Und ja, ich habe oft gesagt „in diese Welt will ich keine Kinder setzen.“ Und dennoch hat das eine mit dem anderen rein gar nichts zu tun 😉

    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Nachwuchs! Möge ihr Leben so werden wie sie es als „genau richtig“ bezeichnen würde wenn sie dereinst am Hinterausgang steht!

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    1. Hallo forwalu, danke für deinen Kommentar (und für die Glückwünsche natürlich auch 😊).

      In der Tat ein wichtiger Punkt, den du da ansprichst, wahrscheinlich gibt es wirklich viele Menschen, die diese Aussage vor allem symbolisch meinen.

      Ich finde es auch durchaus okay, für sich die Entscheidung zu treffen, keine Kinder haben zu wollen, diese Entscheidung sollte wirklich jeder für sich treffen.

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