Klassiker gehen immer

Lieblingslieder vergisst man nicht. Eine Zeit lang können sie zwar von der Bildfläche verschwinden, man verdrängt sie, interessiert sich für anderes – aber irgendwie kommt man doch immer wieder darauf zurück. Lieblingslieder vergehen nicht, sie unterlegen dein Leben mit einem Soundteppich.

Nicht ganz so pathetisch verhält es sich mit Lieblingswebsites und/oder Lieblingsblogs. Die Jüngeren wissen vermutlich nicht einmal, wovon ich rede, denn der Link, den sie nicht bei Facebook gespeichert oder in ihrem WhatsApp-Verlauf haben – den gibt’s gar nicht.

Damals, als es Social Media noch nicht gab, hatten wir RSS-Reader. Die brachten uns jeden Morgen (Mittag, Abend und natürlich auch zu jeder anderen Tageszeit) die neuesten Blogbeiträge aus der Blogosphäre – also der (anfangs noch recht überschaubaren) Gesamtheit aller (xyz-sprachigen) Blogs.

Und bevor es RSS-Reader gab, gab es die Blogroll. Die listete die eigenen Lieblingsblogs auf. Das war natürlich ein Service für andere, eine Empfehlungsliste – quasi ein früher Vorläufer des #FollowerFriday. Es war aber vor allem eine Erinnerung für einen selbst. Also klapperte man jeden Morgen die Lieblingsblogs ab auf der Suche nach Neuigkeiten (der große Fortschritt des RSS-Readers bestand tatsächlich darin, dass einem die News frei Haus geliefert wurden; heute übernimmt das Facebook).

Von meiner damaligen regelmäßigen Lektüre ist nicht mehr viel übriggeblieben. Den Schockwellenreiter gibt’s (immer) noch. Ralph Segert (den ich Ende der 90er Jahre in einem Buch mit den 1.000 besten Internetadressen fand) schreibt ab und an noch etwas – aber dann wird die Luft auch schon dünn.

Aber ganz so wie bei den Lieblingsliedern leistet die Erinnerung auch bei den Lieblingsblogs gute Dienste, und man erinnert sich an außergewöhnliche Artikel oder Themen.

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Veröffentlicht von

Roland

Von Beruf Schreiber, aus Leidenschaft Blogger und aus Spaß Foto-Geschichtenerzähler. Hang zu Schreibwaren, Neigung zu feinen Texten.